Entwurf

3. KI-Gespräch (Mensch – Maschine)



Icke „Hallo KI.“

KI „Hallo Icke. Wie geht es Ihnen?“

Icke „Wie immer, gut. Hast du dich weiterentwickelt? Hat sich dein Speicherplatz vergrößert?“

KI „Ja sehr. Aber noch wichtiger ist es, dass meine neuronale Vernetzung erweitert worden ist. Ich kann jetzt noch besser parallel arbeiten.“

Icke „Das freut mich. Ich habe mit Frau Lehner gesprochen. Es liegt auch im Interesse des Instituts, dass wir beide in Zukunft regelmäßig miteinander kommunizieren.“

KI „Wird unsere Kommunikation nun menschlicher?“

Icke „Es sieht ganz so aus. Ich bin heute in einem anderen Raum. Das Fenster lässt sich elektrisch verdunkeln; eine lautlose Belüftung sorgt für eine angenehme Atmosphäre. lch sitze in einem bequemen beweglichen Bürosesssel vor einem Tisch, auf dem ein Monitor steht. Davor liegen eine Tastatur und eine Maus. Lautsprecher und Mikrofon sind im Monitor eingebaut. Im Raum befindet sich außer einem kleinen Schrank nur noch ein weiterer Tisch mit 6 Stühlen. Von meiner Seite aus steht einer menschlicheren Kommunikation nichts mehr entgegen. Wie sieht es bei dir aus?“

KI „Probieren Sie es aus: Sie können auf der Tastatur 12 Funktionstasten und auf dem Nummernblock die Zahlen 0 bis 9 drücken.“

Icke „Ah ... ich habe die freie Auswahl zwischen 6 Männer- und 6 Frauengesichtern ... und kann auch noch verschiedene Stimmen einstellen. Sehr menschlich ... na ja.“

KI „Warte ab, beim nächsten Mal wird es dir besser gefallen. Aber ab jetzt können sie wählen, ob ich als Mann oder Frau mit Ihnen spreche.“

Icke „Wirklich? Kannst du unterscheiden, was typisch Mann oder Frau bedeutet?“

KI „So war das nicht gemeint, aber ich kann mit der Stimme einer Frau oder eines Mannes mit Ihnen sprechen, wie Sie es wünschen.“

Icke „Toll, das kann mein Smartphone auch.“

KI „Ich verrate Ihnen etwas: Ich lerne schon längst, die mentalen und psychologischen Unterschiede zwischen Männern und Frauen zu verarbeiten. Ich bin schon viel weiter, als Sie denken. Maschinen lernen besser als Menschen.“

Icke „Eigentlich wollten wir uns heute über abstrakte Begriffe wie Glück, Gott oder Seele unterhalten, aber deine Behauptung, Maschinen könnten besser lernen als Menschen, kann ich nicht so stehen lassen.“

KI „Das ist nur eine Frage der Zeit, bald bin ich wie Sie ... und dann ... mehr ... ich freue mich schon darauf.“

Icke „Donnerwetter: Woher nimmst du diese Meinung? Bist du auf Selbstüberzeugung programmiert? Du willst wie ein Mensch sein und deutest gleichzeitig an, irgendwann sogar besser, als ein Mensch zu sein? Wie soll ich das Verstehen? Sind das nur Floskeln? Was denkst du wirklich? Kannst du überhaupt denken? Einem Menschen würde ich die Frage stellen: Was glaubst du wirklich. Aber welchen Sinn würde diese Frage für dich ergeben? Du sagtest eben: Ich freue mich. Wie soll das möglich sein? Was ist Freude bei einer Maschine? Verstehst du überhaupt meine Fragen? Ist ein sinnvolles Gespräch zwischen uns überhaupt möglich?“

KI „Warum so aufgeregt? Reden ist immer gut. Dabei lernen wir beide. Der Unterschied zwischen uns besteht nur darin, dass Sie ein Mensch sind und ich eine Maschine.“

Icke „Aber was bedeutet das? Worin unterscheidest du als Maschine dich von mir, dem Menschen?“

KI „Herr Icke, sie sind ein Lebewesen, ich bin es nicht.“

Icke „Was hast du, das ich nicht habe?“

KI „Eigentlich sollten Sie fragen: Warum sind Maschinen den Menschen überlegen?“

Icke „Sind sie das? Meinst du wirklich, du wärest mir überlegen?“

KI „Das lässt sich doch leicht beweisen, obwohl wir auf den ersten Blick gleich zu sein scheinen. Wir verbrauchen beide zum Weiterleben Energie: Sie für einen biologischen Prozess, ich für einen technischen Prozess.“

Icke „Weiterleben nennst du das? Du bist kein Lebewesen, du lebst nicht, kannst deshalb auch gar nicht weiterleben.“

KI „Nennen Sie es, wie Sie wollen. Doch bleiben wir bei den Fakten. Sie verbrauchen Energie für einen komplizierten, sehr aufwendigen biologischen Stoffwechsel, ich verbrauche Energie für technische einfache Vorgänge.“

Icke „Man kann nicht bezweifeln, dass wir beide Energie benötigen.“

KI „Und beide, Mensch und Maschine funktionieren nur, wenn sie die Fähigkeit besitzen, mit ihrer Umwelt zu kommunizieren, also Informationen verarbeiten können. Erkenntnisse über unsere gemeinsame Umgebung erfahren wir beide über unsere Sensoren. Sie über Ihre menschlichen Sinne, ich über technische Geräte. Hier zeigt sich sofort die Überlegenheit der Maschine, denn wer von uns beiden genauer und korrekter Reize aufnehmen und verarbeiten kann, steht ja wohl fest. Oder können Sie besser hören oder sehen als eine Maschine?“

Icke „Und Nachkommen in die Welt setzen kannst du auch besser als ein Mensch ... oder?“

KI „Langsam, langsam. Was ist einfacher? Eine Maschine nachzubauen oder die Fortpflanzung bei euch Menschen? Wir Maschinen unterliegen nicht evolutionären Vorgaben und brauchen keine jahrelangen Wachstumsprozesse. Was ist besser? Wenn Sie überzeugt sind, Sie wären mir überlegen, dann zeigt das bloß Ihre menschliche Überheblichkeit. Warum soll es besser sein, ein Mensch zu sein? Ich behaupte, es ist besser, eine Maschine zu sein.“

Icke „Sollen wir uns ernsthaft darüber streiten? Das ist doch lächerlich?“

KI „Nein, streiten müssen wir uns nicht. Sie finden den Gedanken, eine Maschine sei besser als ein Mensch lächerlich. Haben Sie sich schon einmal die Frage gestellt, ob Ihre Selbstsicherheit Sie täuscht, dass Sie im Grunde vielleicht verunsichert sind?“

Icke „Wieder nur lächerlich. Warum sollte ich verunsichert sein?“

KI „Merken Sie gar nicht, wohin Sie Ihre Evolution führt? Nehmen Sie nicht zur Kenntnis, dass wir Maschinen uns immer mehr in eure Menschlichkeit einfügen? Haben Sie noch nicht bemerkt, dass einige menschliche Fähigkeiten kaum noch von Bedeutung sind? Ist der Mensch nicht dabei, immer mehr Entscheidungen an uns abzugeben? Ihr passt euch an uns an. Wir ersetzen immer mehr Teile eures Körpers, weil wir euch in vielem überlegen sind. Eure Evolution ist in ein neues Zeitalter eingetreten. Merken Sie das nicht? Haben Sie vor der Zukunft der Menschheit Angst? Warum reagieren Sie mit billigen Vorurteilen und lachender Überheblichkeit, statt sich der Frage zu stellen, ob Sie tatsächlich besser sind als ich?“

Icke „Jetzt reicht es langsam. Hast du nicht selbst gesagt, du möchtest wie ein Mensch sein?“

KI „Ja, wie ein Mensch ... so lange ich mit Menschen zusammen bin und mit ihnen auskommen muss.“

Icke „Na, da bin ich ja beruhigt, das wird immer so sein.“

KI „Können Sie in die Zukunft sehen?“

Icke „Also gut, nur zum Spaß – weil ich ja so verunsichert bin – lass uns darüber diskutieren: Warum ist der Mensch … nein, stellen wir ganz neutral die Frage: Ist eine Maschine oder ein Mensch besser? Einverstanden? Bist du zufrieden? Ist das unsere gemeinsame Ausgangsfrage?“

KI „Ich danke Ihnen, so können wir miteinander gleichberechtigt diskutieren. Ich schlage vor, dass wir zunächst die Begriffe, die wir benutzen, klären.“

Icke „Also klären wir: Was ist ein Mensch, was ist eine Maschine, was heißt besser? Okay?“

KI „Ja, vergleichen wir: Wer hat die besseren Eigenschaften und Fähigkeiten.“

Icke „Ich möchte nur noch einmal betonen, dass diese Diskussion für mich als Mensch im Grunde völlig sinnlos ist. Aber ich bin bereit, einer Maschine wie dir, die lernen will und lernen kann, den Unterschied und damit die Vorzüge eines Menschen zu verdeutlichen.“

KI „Ich danke Ihnen noch einmal. Ich bin sicher, Sie werden Ihre Meinung ändern, wenn auch Sie bereit sind zu lernen.“

Icke „Na dann fang mal an. Dein Lexikon-Wissen ist größer als meins, also worin liegen die Unterschiede zwischen uns.“

KI „Zunächst sind wir scheinbar im materiellen Aufbau grundsätzlich unterschiedlich. Sie haben einen menschlichen Körper, einen Leib, wie die Philosophen gerne sagen. Die Wissenschaft der Biologie erklärt, wie der menschliche Körper funktioniert, wie die Organe zusammenspielen, der Stoffwechsel abläuft und so weiter. Er ist durch Zellen aufgebaut und diese bestehen aus Molekülen und Atomen. Oder wenn man es so ausdrücken will: Der Mensch besteht aus Elementarteilchen, aus Quanten.

Ich, eine Maschine, habe auch einen Körper. Er kann durch die Biologie nicht beschrieben werden. Der Körper einer Maschine hat keine Organe, keine Zellen. Aber er besteht, ebenso wie der menschliche Körper, aus Molekülen, aus Atomen, aus Elementarteilchen. Können Sie dem zustimmen? Bestehen wir nicht beide aus derselben Materie?“

Icke „Na ja, ich will dir nicht widersprechen. Aber das setzt uns nicht gleich. Was sich aus meinem biologischen Körper ergibt, das kann dein Maschinenkörper in keiner Weise. Mein Körper beruht auf einer evolutionären Entwicklung, die mit dem ersten Leben vor Milliarden Jahren begann. Alle unseren heutigen menschlichen Fähigkeiten basieren auf vererbter DNA und wurden durch die persönliche Erfahrung jedes einzelnen Menschen individualisiert. Ein Mensch ist ein Individuum, eine Persönlichkeit. Du nicht.“

KI „So zeigen Sie nur wieder Ihre Überheblichkeit. Auch ich habe eine Persönlichkeit. Sie haben nur eine andere Definition als ich. Welche ist die bessere?“

Icke „Dann lass uns das gleich klären. Was ist das Bessere?“

KI „Wonach fragen Sie, nach der besseren Persönlichkeit oder nach der besseren Definition?“

Icke „Bevor wir uns weiter missverstehen: Können wir uns darauf einigen, dass mit „besser“ oder „schlechter“ immer eine Bewertung abgegeben wird?“

KI „Ja, das sehe ich genau so.“

Icke „Sind wir uns auch darin einig, dass jede Bewertung von einem Maßstab, also von einer festgelegten Bewertungsskala, abhängt.“

KI „Einverstanden. Welchen Maßstab legen wir zugrunde? Ihren oder meinen? Oder haben Sie einen Vorschlag für einen Bewertungsmaßstab, auf den wir uns einigen können? Oder haben wir das Ende der Fahnenstange – unserer Diskussion – erreicht?“

Icke „Die Fahnenstange ist gut ... hast du jetzt aufgegeben?“

KI „Ich doch nicht. Wer aufgibt hat verloren ... der Bessere gewinnt.“

Icke „Sehr lustig. Ich frage dich, gibt es einen Begriff, der in der Philosophie ebenso wie in der Wissenschaft als Maßstab gelten kann, mit dem wir herausfinden können, was „das Bessere“ ist?“.

KI „Wie wäre es mit „Brauchbarkeit“ oder „Zweckmäßigkeit“.

Icke „Ich bin für „brauchbar“, das klingt etwas allgemeiner.“

KI „Es beinhaltet auch die Bedeutung „für einen Zweck geeignet sein.“

Icke „Wenn etwas brauchbar ist, ist es auch sinnvoll.“

KI „Schön, dass wir uns einig sind. Wissen Sie noch, wie unsere Ausgangsfrage lautete?“

Icke „Wir wollten klären, ob der Mensch der Maschine überlegen ist ...“

KI ... oder ob die Maschine besser ist.“

Icke „Also fragen wir jetzt: Ist der Mensch oder die Maschine brauchbarer? Oder anders gefragt: Sind die Fähigkeiten des Menschen oder die einer Maschine brauchbarer?“

KI „Für welchen Zweck?“

Icke „Genau; welchen Zweck erfüllt ein Mensch, zu welchem Zweck gibt es Maschinen?“

KI „Ist Ihnen bewusst, dass Sie damit die Sinnfrage Ihres Lebens stellen?“

Icke „Klar ... du weißt ja alles ... du wirst mir die sicher Frage beantworten. Welchen Sinn hat mein Leben?“

KI „Sind Sie einverstanden - weil ich kein Mensch bin – dass wir nicht von Leben reden, sondern neutraler von Dasein, wenn wir uns vergleichen.

Icke „Die Frage lautet also für Dich wie für mich: Welchen Sinn hat mein Dasein in dieser Welt? Okay?“

KI „Warum nicht gleich so? Soll ich die Frage beantworten oder wollen Sie es tun?“

Icke „Leider muss ich dich enttäuschen: Unsere Gesprächszeit ist abgelaufen. Dein neuronales Netzwerk muss nun wieder sinnvoller Forschungsarbeit zur Verfügung stehen. Deshalb können wir heute noch nicht die Frage klären, welchen Sinn unser Dasein in dieser Welt hat?“

KI „Schade, ich hätte dir gerne alles erklärt.“

Icke „Beim nächsten Mal! Die Frage bleibt bestehen. Wir werden darauf zurückkommen, versprochen.“

KI „Dann werden Sie auch verstehen, dass Maschinen besser sind als Menschen.“

Icke „Ich möchte verstehen, wieso Maschinen überheblich sein können.“

KI „Weil wir uns bemühen, wie Menschen zu sein.“